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Bericht über den Gottesdienst vom 18.07.2020

Der Frauenbund Viechtach feierte diesen Gottesdienst zu Ehren von Frau Ellen Ammann, die sich in ihrem Leben sozial sehr engagiert hatte und an diesem Tag den 150 Geburtstag gehabt hätte. Sehr erfreut war die Vorstandschaft über den regen Besuch, und vor allem über so viele blaue Schalträgerinnen; Kennzeichen des Frauenbundes. Ein herzliches Vergelt`s Gott an Pfarrvikar Markus Meier, der auch Geistl. Beirat des Vereins ist, für die würdevolle Gestaltung des Gedenkgottesdienstes.

Die Vorsitzende des Frauenbundes Viechtach, Frau Erna Niedermayer, gab einen Überblick über das Leben von Frau Ellen Ammann. Am 1. Juli 1870 wurde sie in Stockholm geboren und protestantisch getauft (in Schweden zu dieser Zeit Staatsreligion). Von ihrer Mutter wurde sie dennoch katholisch erzogen. Besucht hat sie eine katholische Schule und machte dort ihr Abitur. Anschließend studierte sie in Stockholm „Heilgymnastik“. Mit zwanzig Jahren heiratete sie den deutschen Orthopäden Ottmar Ammann und zog mit ihm nach München. Dort führte sie den Haushalt, leitete die Verwaltung der Praxis, zog fünf Söhne und eine Tochter groß und nahm sich Zeit, sich sozial zu engagieren. Ellen Ammann wirkte im „Mädchenschutzverein“ (heute „IN VIA München e.V. -Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit“) mit. Ihr nächstes Projekt war der „Empfangsdienst“ für Frauen am Münchner Hauptbahnhof: Die erste „Katholische Bahnhofsmission“. Nach der Gründung des „Katholischen Deutschen Frauenbundes“ 1903 in Köln, war es u.a. Ellen Ammann, die 1904 in München einen Zweigverein und 1911 den KDFB Landesverband gründete. Wichtig war und ist den Frauen - damals wie heute - Bildung und die rechtliche Gleichstellung der Frau. Eine sozial-caritative Frauenschulung entstand, aus der 1916 die „social-caritative Frauenschule“ hervorging. Dort bot Ellen Ammann zusammen mit Antonie Hopmann eine systematische Ausbildung für Frauen an. Seit dieser Zeit lag die Trägerschaft beim Bayerischen Landesverband des KDFB. Auf die Ellen Ammann-Schule folgte die Katholische Stiftungsfachhochschule und die Katholische Stiftungshochschule. 2020 wird Das Ellen-Ammann-Seminarhaus eingeweiht. Bald darauf begann sie gegen den Willen ihres Mannes ein Drittordensnoviziat.

Auch politisch betätigte sich Ellen Ammann. Als eine von acht Frauen wird sie 1919 in den Bayerischen Landtag gewählt. 1923 kam es bei einer Friedensveranstaltung zu Ausschreitungen durch die SA („Sturmabteilung“ der Nationalsozialisten). Politisch aktive Frauen, u.a. Ellen Ammann, forderten vom damaligen bayerischen Innenminister - leider ohne Erfolg - die Ausweisung Hitlers. Ein Abgeordneter bezeichnete Frau Ammann als „den einzigen Mann im Landtag“. Am 23. November 1932 starb sie in München nach ihrer letzten Landtagsrede.

Für all ihre Errungenschaften brauchte Ellen Ammann vor allen Dingen Geduld. Ihre Visionen waren nur mit langem Atem zu erreichen. Gleichberechtigung ist für uns heute selbstverständlich. Ellen Ammann hat viel bewegt – mit Mut, Gottvertrauen und Zuversicht!

Auch der Frauenbund Viechtach ist bemüht, in ihre Fußstapfen zu steigen, bewegt gerade auch in unserer Zeit viel, ist kein schlafender Verein. Das wurde auch in den Fürbitten, vorgetragen von Hedwig Grabmeier und Michaela Wurzer, deutlich. Zu diesem Thema passte auch das Schlusslied, das Kirchenmusikerin Daniela Schneider mit den Gottesdienstbesuchern im Vorfeld eingeübt hatte. „Steh´ auf, bewege dich, denn schon ein erster Schritt verändert dich, verändert mich: steh´ auf, bewege dich!“

Auf dem Foto: Geistlicher Beirat Pfarrvikar Markus Meier freute sich, der Vorsitzenden des Frauenbundes, Erna Niedermayer, das Bild mit der Collage von Ellen Ammann übergeben zu können.